UNCOVER. Ostdeutsche Künstler:innen zwischen Zuschreibung und Sichtbarkeit

Gerda Lepke, Barbara Toch, Karin Hunger, Nadja Schütt, Tobia König, Vivien Schlecht

Eröffnung: Fr, 06.11.2026, 18 Uhr
Ausstellung: 07.11. – 05.12.2026
Mittwoch bis Samstag, 14 bis 18 Uhr

co/site exhibitionco/site* Am Gleisdreieck Luckenwalder Str. 6b
10963 Berlin
*formerly known as B-Part

https://loop-raum.de/UNCOVER-1

Wir laden herzlich zur Eröffnung der Gruppenausstellung „UNCOVER. Ostdeutsche Künstler:innen zwischen Zuschreibung und Sichtbarkeit“ am Freitag, den 6. November 2026 um 18 Uhr im co/site exhibition ein.

Mit UNCOVER startet Women in Arts and Media e. V. ein interdisziplinäres Ausstellungsprojekt zu Künstler:innen aus Ostdeutschland. Im Zentrum steht eine Leerstelle in der Wahrnehmung ostdeutscher Kunst: Viele Künstler:innen, die in der DDR geboren und sozialisiert wurden oder nach 1989/90 in Ostdeutschland aufgewachsen sind, bleiben bis heute über regionale Kontexte hinaus nur begrenzt wahrgenommen.

„Mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung ist die Frage, welche ostdeutschen Künstler:innen in der gesamtdeutschen Kunstgeschichte sichtbar werden, weiterhin offen. UNCOVER setzt hier an und verbindet den historischen Einschnitt von 1989/90 mit gegenwärtigen Fragen von Kanon, Anerkennung und Zugang.“
Kerstin Lorenz und Nadja Schütt, Organisatorinnen der Ausstellung

Der Einfluss von Herkunft und Geschlecht auf das Kunstschaffen bildet die kuratorische Klammer für die Auswahl der Künstler:innen. Auch wenn sich ihre Werke nicht immer unmittelbar mit diesen Kategorien auseinandersetzen, prägen beide Faktoren die jeweiligen Schaffensbiografien. Die beteiligten Künstler:innen stehen für Erfahrungen von Ausschluss, Beharrlichkeit und Selbstbehauptung unter unterschiedlichen politischen, gesellschaftlichen und institutionellen Bedingungen. Ihre Biografien verweisen zugleich auf zahlreiche ostdeutsche Künstler:innen, deren Arbeiten bis heute in Kanon und Öffentlichkeit unzureichend repräsentiert sind – ein Umstand, den UNCOVER kritisch adressiert.

Gezeigt werden Arbeiten von Gerda Lepke, Barbara Toch, Karin Hunger, Nadja Schütt, Tobia König und Vivien Schlecht. Die Geburtenjahrgänge der beteiligten Künstler:innen reichen von 1939 bis 1992. Damit treffen künstlerische Biografien aus mehreren Generationen aufeinander: Laufbahnen, die noch in der DDR begannen, Wege, die durch Umbruch und Transformationszeit geprägt wurden, sowie jüngere Positionen, die sich erst im wiedervereinigten Deutschland entwickelten.

Die Arbeiten und biografischen Interviews führen unterschiedliche künstlerische Positionen und Schaffensbiografien von Künstler:innen aus Ostdeutschland zusammen. Die Gespräche zeigen, wie politische Systeme, institutionelle Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Umbrüche künstlerische Wege prägten und welche Strategien Künstler:innen entwickelten, um ihre Arbeit fortzuführen. Dabei geht es um künstlerische Eigenständigkeit jenseits ideologischer Vereinnahmung, um individuelle Freiräume und um die Suche nach tragfähigen Arbeitsbedingungen in Zeiten gesellschaftlicher Veränderung. Die Werke greifen diese Erfahrungen nicht immer ausdrücklich auf. Materialien und Ausdrucksformen sind jedoch häufig bewusst gewählt, um biografischen Erfahrungen eine künstlerische Form zu geben – in Malerei, Grafik, Installation, Objekt, Materialexperimenten, Körperbildern, Räumen und fragmentierten Formen.

Der Umbruch von 1989/90 eröffnete neue Freiheiten und brachte zugleich bislang unbekannte Unsicherheiten mit sich. Netzwerke und institutionelle Strukturen verschwanden, der Kunstmarkt orientierte sich stark nach Westen und viele ostdeutsche Kunstbiografien blieben in nun gesamtdeutschem Kanon und Öffentlichkeit unterrepräsentiert. Zugleich richtet UNCOVER den Blick auf jüngere Künstler:innen, deren Lebens- und Arbeitsbedingungen im wiedervereinigten Deutschland entstanden sind. Die Werke aus mehr als 60 Jahren verbinden damit historische Erfahrungen, künstlerische Kontinuitäten, Transformationen und neue Ausgangslagen.

Die Eröffnung am 6. November, wenige Tage vor dem Jahrestag des Mauerfalls am 9. November, setzt dafür einen zeithistorischen Rahmen. Anhand der gezeigten Arbeiten und der nachgezeichneten Lebenswege fragt UNCOVER, wie gesamtdeutsche Kunstgeschichte entsteht: Unter welchen Bedingungen finden Werke und Biografien Eingang in ihre Erzählungen – und welche Mechanismen führen dazu, dass andere vorwiegend regional rezipiert werden?

Zum Projekt gehören drei eng miteinander verbundene Formate: eine digitale 3D-Ausstellung als Herzstück von UNCOVER, eine analoge Ausstellung im
co/site exhibition (hosted by loop – raum für aktuelle kunst) sowie eine Podcastreihe. Gemeinsam verbinden sie die unmittelbare Begegnung mit ausgewählten Arbeiten, den ortsunabhängigen Zugang zu Werken und Biografien sowie persönliche Stimmen, Erinnerungen und zeithistorische Einordnungen.

UNCOVER ist als langfristig wachsendes Format angelegt: Die digitale Ausstellung und die Podcastreihe werden fortlaufend um weitere Künstler:innen ergänzt und mit analogen Ausstellungen an wechselnden Orten in Ost- und Westdeutschland verbunden.

Organisatorinnen: Kerstin Lorenz und Nadja Schütt
Kontakt: Katharina Schrade (Vorstandsvorsitzende des Trägervereins Women in Arts and Media e. V.)
Email: vorstand@womeninartsandmedia.de
Projekt: www.instagram.com/uncover_ost
Website des Trägervereins: www.womeninartsandmedia.de

Weitere Termine

Pressefrühstück
Mittwoch, 4. November 2026, 11 Uhrco/site exhibition, Berlin
Presse-Vorabtermin zur Ausstellung mit der Kuratorin und Künstlerin Nadja Schütt, Kerstin Lorenz, Co-Creatorin von UNCOVER, sowie Katharina Schrade, Vorstandsvorsitzende des Trägervereins Women in Arts and Media. Geplant sind ein kurzer Rundgang durch die Ausstellung, Einblicke in die digitalen Inhalte von UNCOVER sowie Gelegenheit für Fragen, Interviews und Bildmaterial. Um Anmeldung wird gebeten.

Gesprächsabend:
Zwischen den Generationen. Ostdeutsche Künstler:innen im GesprächFreitag, 20. November 2026, 18 Uhr
Führung mit Kuratorin Nadja Schütt und den Künstler:innen Karin Hunger und Tobia König
Podium Kerstin Lorenz, Organisatorin und Künstlerin der Ausstellung, im Gespräch mit Vivien Schlecht, Künstlerin der Ausstellung, sowie Sabine Herrmann, Malerin und Grafikerin aus Berlin.
Im Podiumsgespräch begegnen sich zwei künstlerische Generationen: Vivien Schlecht, deren künstlerischer Weg im wiedervereinigten Deutschland begann, und Sabine Herrmann, die in der DDR studierte und bereits vor 1989 als Künstlerin arbeitete. Zwei künstlerische Generationen sprechen darüber, wie die unterschiedlichen politischen und institutionellen Bedingungen vor und nach 1989 ihre künstlerischen Wege und die Rezeption ihrer Arbeiten geprägt haben.

Finissage:
Was bleibt sichtbar?Samstag, 5. Dezember 2026, 14 – 18 Uhr
Zum Abschluss führen Kuratorin und Künstlerin Nadja Schütt und die Künstlerin Vivien Schlecht durch die Ausstellung. Gemeinsam mit dem Publikum nehmen sie die Perspektiven auf ostdeutsche Kunstbiografien auf, die UNCOVER eröffnet, und fragen, was davon über das Ausstellungsende hinaus bestehen bleibt. Anschließend laden wir zum gemeinsamen Ausklang ein.­Der Ausstellungsraum co/site exhibition begleitet die künftige Entwicklung der Urbanen Mitte Am Gleisdreieck mit künstlerischer Autonomie und tritt somit zugleich in einen Dialog mit den übergeordneten Themen des Gesamtprojekts – Formen des New Work, Co-working, Kultur und Sport – und schafft Synergien zwischen künstlerischen, kulturellen und sozialen Ansätzen. Künstlerischer Leiter des co/site ist Rüdiger Lange (loop – raum für aktuelle kunst). ­­

Ausstellung in Chemnitz: Henrike Naumann und ihr Großvater: Ein doppelter Blick auf die DDR

MDR Kulturdesk, 30.10.2026:

Die Ausstellung „Schichtwechsel“ in Chemnitz ist eine Begegnung zweier Generationen: Zu sehen sind Werke der 1984 geborenen Künstlerin Henrike Naumann, die für die Biennale in Venedig 2026 den Deutschen Pavillon gestalten sollte, im Februar 2026 dann aber an Krebs starb. Die Kunstsammlungen Chemnitz setzen ihre Kunst in Beziehung zu den Arbeiten ihres Großvaters, des Malers Karl Heinz Jakob (1929–1997), dessen Hauptschaffen in die Zeit der DDR fällt. Diana Kopka erzählt im Interview, was die Kunst der beiden ausmacht. anhören…

„Schichtwechsel“, 31. Oktober 2026 bis 31. Januar 2027, Kunstsammlungen am Theaterplatz, Theaterplatz 1, 09111 Chemnitz. Dienstag bis Sonntag, Feiertag 11 bis 18 Uhr, Ab 2027: Dienstag bis Sonntag, Feiertag 11 bis 17 Uhr, Jeden 1. Donnerstag im Monat: 11 bis 20 Uhr

Tochter der Malerin Annemirl Bauer „Für sie waren Kunst und Leben das Gleiche

Ferial Nadja Karrasch, in: Metropol, 26.10.2026:

Annemirl Bauer stand quer zur staatlich erwünschten Kunst der DDR und war Repressionen ausgesetzt. Nach ihrem frühen Tod bewahrte und vermittelte ihre Tochter Amrei ihr Werk. Ein Gespräch über hartnäckige Ignoranz und neues Interesse. weiterlesen…

Ausstellung in Leipzig „Es ist immer ein Probieren“ – Was den Künstler Rolf Kuhrt auch mit 90 Jahren beschäftigt

Eva Gaeding, in: MDR KULTUR, 19.10.2026:

In Leipzig prägte er über Jahrzehnte die Grafiktradition an der Hochschule für Grafik und Buchkunst: Der Maler, Grafiker und Bildhauer Rolf Kuhrt. Er studierte bei Irmgard Horlbeck-Kappler, Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer. Später lehrte er selbst als Professor. Zu seinen Werken zählen Buchillustrationen, Holzschnitte, Tafelbilder, Plastiken sowie Theaterplakate. Bis heute entstehen in der Abgeschiedenheit eines kleinen Dorfes bei Güstrow, wo er seit vielen Jahren lebt, neue Werke. anhören…

Mühlhäuser Museen konservieren Monumentalgemälde

nordthüringen, 8.10.2026:

Es ist drei Meter breit, zwei Meter hoch und gehört zu den markanten Kunstwerken der Mühlhäuser Museen: Das Monumentalgemälde „Thomas Müntzer spricht zu Bauern bei Mühlhausen“ von Wilhelm Otto Pitthan wird derzeit umfassend konserviert und restauriert… weiterlesen…

Angermuseum „unfassbar glücklich“ über neue Schenkung

MDR Kulturdesk, 8.10.2026:

Das Erfurter Angermuseum hat mehr als 50 Zeichnungen des Malers und Grafikers Gerhard Kurt Müller übernommen. Sie stammen aus dem Nachlass des 2019 verstorbenen Künstlers. Er gilt als wichtiger Vertreter der ersten Generation der Leipziger Schule. Die Schenkung wurde für das Museum kam von der Gerhard-Kurt-Müller-Stiftung. anhören…

Surrealismus hat Raum in der Kunstsammlung Neubrandenburg

Nordkurier, 06.10.2026:

Die Kunstsammlung begleitet ihre Ausstellung „Räume der Sehnsucht“ am 7. Oktober mit einer Lesung und einem Film. weiterlesen…

Vgl. auch https://www.ndr.de/kultur/kunst/mecklenburg-vorpommern/raeume-der-sehnsucht-ausstellung-zeigt-ddr-kunst-in-neuem-licht,sehnsucht-102.html

Kunst auf Kommando – Was die NVA an der Kunst suchte

Sendung: MDR Fernsehen | ttt – titel thesen temperamente | 04.10.2026 | 23:20 Uhr:

Das Militärhistorische Museum in Dresden zeigt eine Ausstellung „Kunst auf Kommando? Werke zur Nationalen Volksarmee der DDR“. Sie fragt im großen Rahmen nach den Beziehungen zwischen Kunst und NVA. ansehen…

Vgl. auch https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/dresden-radebeul/kunst-kommando-nva-nationale-volksarmee-ddr-ausstellung-kultur-news-100.html

Kunstsammlungen Chemnitz: Ausstellung in Chemnitz zeigt Kunst von Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer

Eva Gaeding, MDR Kulturdesk, 03.10.2026:

Vom 3. Oktober 2026 bis zum 11. April 2027 zeigen die Kunstsammlungen Chemnitz mit der Ausstellung „Allegorien des Lebens“ rund 200 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken von Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer. Anlässlich der 100. Geburtstage des Künstlerpaares beleuchtet die Schau ihr Werk im Dialog. anhören…

Allegorien des Lebens Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer, 3. Oktober 2026–11. April 2027, Kunstsammlungen am Theaterplatz, Theaterplatz 1, 09111 Chemnitz

Veranstaltungen zur Ausstellung

Midissage: Donnerstag, 14.1.2027, 18:30 Uhr

Podiumsgespräche:

Sonntag, 22.11.2026, 14:30 Uhr
Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer – ihre Dichter:innen – ihre Bücher Gespräch mit der Künstlerin Marietta Jeschke, der Illustratorin Katja Schwalenberg und dem Verleger Michael Faber

Donnerstag, 28.1.2027, 18:30 Uhr
Die Hundertjährigen – einmal aus dem Fenster und zurück
Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer in Leipzig, Oberhausen und Chemnitz
Gespräch mit den Kuratorinnen: Dr. Jenny Graser, Museum der bildenden Künste Leipzig, Dr. Christine Vogt, Ludwiggalerie
Schloss Oberhausen und Diana Kopka, Kunstsammlungen am Theaterplatz

Vorträge:

Donnerstag, 29.10.2026, 18:30 Uhr
Mattheuer auf Reisen
Melanie Ohst, wiss. Mitarbeiterin Kunsthalle Rostock

Donnerstag, 14.1.2027, 18:30 Uhr
Bildtitel sind Schlüssel
Wie Wolfgang Mattheuer die Lesarten seiner Bilder lenkt
Dr. Annette Müller-Spreitz, Kunsthistorikerin, Leipzig

Donnerstag, 11.3.2027, 18:30 Uhr
Nähe, Ferne und Unendlichkeit. Eigensinn, Poesie und existenzielle Metaphern im Werk von Ursula Mattheuer-Neustädt
Christine Dorothea Hölzig, Kunsthistorikerin, Leipzig

Ausstellung: „Träumen: Annemirl Bauer und Bärbel Bohley“

radio3 am Nachmittag im Gespräch mit den beiden Kuratorinnen Sandra Teitge und Susanne Weiß:

Dass Annemirl Bauer eine lang vergessene Künstlerin in der DDR war, die als staatsfeindlich galt, wird seit der großen Annemirl Bauer-Retrospektive, die aktuell im DAS MINSK in Potsdam läuft, deutschlandweit immer bekannter. Aber Bärbel Bohley, die Bürgerrechtlerin, Politikerin und Mit-Gründerin des Neuen Forums war auch Künstlerin? Sogar vorrangig, zeigt die neue Ausstellung „Träumen: Annemirl Bauer und Bärbel Bohley“ in der Galerie im Turm ab heute.

Die beiden Kuratorinnen Sandra Teitge und Susanne Weiß erzählen auf radio3, wie die Werke der beiden Künstlerinnen zusammenhängen und warum es eine wichtige historische Bedeutung hat, dass ihre Werke genau an diesem Ausstellungsort gezeigt werden. anhören…

24.09. – 08.11.2026 „Träumen: Annemirl Bauer und Bärbel Bohley“, Galerie im Turm, Frankfurter Tor 1, Berlin-Friedrichshain, Mo – Fr 12:00 – 18:00 Uhr,  Sa + So 14:00 – 19:00 Uhr, https://galerie-im-turm.net/exhibition/traumen_annemirlbauer_barbelbohley/