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Jörg Sperling

Uwe Pfeifer, Durchgang in Halle-Neustadt (1971)

© VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Als Uwe Pfeifer Ende der 1960er Jahre an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig das Malereistudium aufnimmt, hatte sich der Stil der als bald sogenannten „Leipziger Schule“ schon mit seiner Fundierung auf der Linie und Dinggenauigkeit herausgebildet. Ihm gewinnt der Künstler eine eigene Spielart ab, die er vornehmlich mit Studien aus dem Neubaugebiet Halle-Neustadt - wo er selbst einige Zeit lebt - entwickelt. Insofern ist das Motiv der modernen Stadtlandschaft, wie wir es hier vorfinden, ein ganz repräsentatives für den Künstler. Das Ölgemälde mutet zunächst wie ein Guckkasten an, denn der Durchgang, leicht nach links verschoben, bietet erst den eigentlichen Ausblick: ein Bild im Bild. Pfeifer zeigt in detailreicher Malerei typische Wohnhäuser in einer Neubausiedlung der DDR, deren Ortsbestimmung allerdings erst durch den Titel gegeben wird, ansonsten könnte eine derartige bauliche Situation in ihrer deutlich vorgezeigten Anonymität damals vielerorts zu finden gewesen sein. So wie alle Fenster an der Vorderfront mit Gardinen oder Rollos verhangen sind, so ermöglicht auch der Durchgang keinen freien Ausblick, sondern bietet wiederum bloß ähnliche Neubaublocks, die den Horizont verstellen. Nur ein kleines, trapezförmiges Stück Himmel bleibt sichtbar, das sich allerdings in Blaugrau ganz der unterkühlten Farbstimmung der Betonwelt fügt. Es ist ein abgezirkelter, mit spitzem Pinsel gemalter Stadtraum. Das alles wird unterstrichen durch die Bewegungslosigkeit und Menschenleere, die hier herrscht. Ein „kritischer Realismus“ bricht sich in dieser Perspektive Bahn.

Zitierempfehlung: Jörg Sperling: Bilddossier zu "Durchgang in Halle-Neustadt" (1971) von Uwe Pfeifer, Juli 2012. In: Kunst in der DDR, URL: <http://www.bildatlas-ddr-kunst.de/knowledge/341>

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