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Jörg Sperling

Frieder Heinze, Ein Ende (1988)

© VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Mitte der 1980er Jahre setzen sechs Leipziger Künstler - Lutz Dammbeck, Günther Firit, Hans Hendrik Grimmling, Frieder Heinze, Günther Huniat und Olaf Wegewitz - mit dem selbst organisierten und verantworteten „1. Leipziger Herbsalon“ im Messehaus am Markt neue Maßstäbe für die unabhängige Kunstszene in der DDR. Das die Akteure auch außerhalb dessen agieren, was landläufig und heute erneut als Leipziger Schule apostrophiert wird, mag dahingestellt bleiben. Den eigenen Weg zu einer unverbrauchten Bildsprache entfaltet der Maler, Grafiker und Objektkünstler Frieder Heize Ende der 1970er Jahre aus seinen figürlichen Anfängen. Er entwirft nach und nach einen ganzen Kosmos von Ideogrammen und scheinbar mythologisch aufgeladener Kürzel. Dies wird bewußt gesucht in der Auseinandersetzung mit den Bildersprachen archaischer Kulturen, wobei gerade dort unkonventionelle Bildträger (u.a. Rollbilder, Filz, Fahnen, Kaschuren) zum Einsatz kommen. Als fulminantes Beispiel jener anverwandelnden Begegnung darf das mit Olaf Wegewitz geschaffene, umfangreiche Künstlerbuchwerk „unaulutu. Steinchen im Sand“ (1983/86) gelten, das auf Zeichnungen der Karaja-Indianer Südamerikas basiert. Die farbintensive Rollmalerei eröffnet nun einen solchen Bildhorizont, der nach urtümlichen Gestalten und Formeln greift, die tieferliegende Schichten von Traum und Unterbewusstsein zu berühren vermögen. Was wie die Ausbreitung von Fabelwesen und Kultzeichen anmutet, ist die Suche nach den eigenen magischen Wurzeln im Bildersog der Postmoderne, wobei eine spielerische Komponente darin nicht zu übersehen bleibt.

Zitierempfehlung:

Zitierempfehlung: Jörg Sperling: Bilddossier zu "Ein Ende" (1988) von Frieder Heinze, Juli 2012. In: Kunst in der DDR, URL: <http://www.bildatlas-ddr-kunst.de/knowledge/334>

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)