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Jörg Sperling

Bernhard Heisig, Die missbrauchten Götter (1968)

© VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Aus dem Bildzentrum heraus drängt sich dem Blick des Betrachters eine Figurengruppe regelrecht auf, wozu deren kräftiges Inkarnat besonders beiträgt, das durch blau-grüne Partien im Umfeld noch Steigerung erfährt. Erst allmählich lösen sich Details aus der dynamischen, teils flüssig vorgetragenen Malerei, wie sie ganz typisch für Bernhard Heisigs Kunst erscheint. Die drei nackten Figuren, eng zueinander gerückt, geben sich als besagte Götter zu erkennen: Auf dem Oberkörper des Liegenden steht ein Spielzeugpanzer, die männliche Gestalt links stützt sich, wohl griesgrämig dreinblickend, auf eine Lanze und die rechte, eher weiblich wirkende Figur, mit nach oben gerichtetem Blick, trägt einen Lorbeerkranz auf dem Kopf. Die Göttergestalten fasst links eine Lifaßsäule, überhäuft von Gesichtern und Schriftteilen, und rechts ein Pferd (offenbar ein bronzenes Denkmaltier) ein. Eine beklemmende Situation, in der die drei Figuren da geraten sind, die ganz auf sich selbst bezogen scheinen: Wie vom Betrachter bei ihren Kriegsspielen ertappt wirken die aus der göttlichen Ordnung Geratenen.

Der Miniaturpanzer auf dem Bauch, im Zentrum der Komposition, eingerahmt von den drei Köpfen, taucht als Bildfindung öfter im Heisigschen Werk auf. Hier trägt die Szene eher einen ulkigen, abstrusen Anschein, als dass sie im Geschichtlichen verankert wirkt, der Dimension, die sein Schaffen doch so grundlegend bestimmt. In jenen Jahren entwickelt der Künstler seine geballte Form metaphorischer Geschichtsmalerei, die immer wieder auch und besonders seine traumatischen Erlebnisse aus dem 2. Weltkrieg zum Ausgangspunkt haben.

Zitierempfehlung: Jörg Sperling: Bilddossier zu "Die missbrauchten Götter" (1968) von Bernhard Heisig, Juli 2012.

 . In: Kunst in der DDR, URL: <http://www.bildatlas-ddr-kunst.de/knowledge/325>

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