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Diana Kopka

Osmar Osten, Muskau (1988)

Abbildung in Bilddatenbank nicht vorhanden.

 

Muskau, 1988

Öl auf Leinwand

140 x 100,5 cm, signiert und datiert unten rechts: OSMAR | 88

Kunstsammlungen Chemnitz, Inv.-Nr.: 1250, Geschenk des Künstlers an die Stadt Chemnitz 1990

 

Osmar Osten ist 1959 geboren. Nach dem Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden lebt und arbeitet er seit 1985 freiberuflich in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und Dresden. Der Name "Osmar Osten" ist ein Pseudonym, mit Blick auf die Signaturen auch an Anonym. Die Signaturen des Malers wechseln beständig.[1] Im Gemälde Muskau signiert er nur mit OSMAR. Die Wahl des Namens „Osten“ muss im Kontext seiner eigenen künstlerischen Verortung gelesen werden. Im August 1990 schenkt Osmar Osten der Stadt Chemnitz drei Arbeiten, darunter auch das Gemälde Muskau. Im Schenkungsbrief spricht Osten davon, dass er diese für die Neugestaltung der Räume im Rathaus zur Verfügung stellt.

Zunächst abstrakt nimmt man im Gemälde Muskau ein Farbenmeer wahr. Kleine Farbkreise wirbeln im Bild umher, streben empor und fallen herab. Gelb, Grün, Blau dominieren das Gemälde, hinzukommen Rot und Violett. Das Betrachterauge findet keine Ruhe, irrt umher und geht auf Wanderschaft durchs Bild. Plötzlich entdeckt man mittig im Gemälde das Gesicht eines Mannes, der zwischen den Blumen schüchtern hindurchschaut, fast so als ob man ihn entlarvt hat. Plötzlich ist das Bild gegenständlich. Und doch entfleucht der Mann mit dem Sommerhut wieder dem Blick, verschwimmt mit dem Farbenmeer. Oder war er nie da? Der Himmel ist in größeren Schwüngen in blauer und weißer Farbe gemalt. Der Betrachter wird zu einem Spaziergänger durch eine blühende Landschaft, die Düfte der Sommerwiese steigen einem in die Nase. Es ist Arbeit, fast schon Pflicht, alles bewusst aufzunehmen und zu entdecken. Einzelne Farben stechen gesondert hervor, andere verschwimmen, verlieren die Kontur am Bildrand.

Der Bildtitel Muskau verweist auf einen im 19. Jahrhundert entstandenen Landschaftspark in der Oberlausitz. Osmar Osten malt nie im Freien. Es sind Bilder, die im Atelier entstehen, abgegrenzt von der Umgebung. Natürlich verfügt der ausgebildete Landschaftsgärtner Osten über eine reiche Kenntnis der Flora und Fauna und dennoch wäre es zu kurz gegriffen, in dem Gemälde nur ein Zitieren der Natur zu entdecken. Bereits während der Dresdner Studienzeit verweigert er sich einfach nur abzumalen. Osten arbeitet im Gemälde Muskau nicht konzeptionell. Er lässt sich von dem treiben, was entsteht, folgt dem inneren Auge. Er beschreibt es als Abenteuer, wenn sich Farbschichten im Malprozess optisch mischen, transparente Farben die daruntenliegenden Schichten bewahren: „Ich befinde mich im Dialog mit den Materialien, ihren Eigenheiten, den sich im Malprozess ergebenden Phänomenen.“[2]

Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) hat keine eigene Kunsthochschule, dies schaffte für die wenigen hier ansässigen Künstler den Freiraum, neue Wege in der Malerei zu wagen. Osmar Osten benennt als Weggefährten nicht nur Maler, sondern gerade die Literatur befruchtet sein Schaffen. Osten notiert, reflektiert und provoziert die Gesellschaft, fordert den Denkprozess. Der Lyriker Osten errichtet Worträume, die immer wieder auch in den Gemälden und Grafiken lesbar werden. Scheinbar zufällig notiert er die Alliteration, doch sie klingt nach: „Kunst kommt von küssen.“[3]

 

[1] Penndorf, Jutta: „Vorostern 2000 z.B.“ im Lindenau-Museum Altenburg. Veröff. in: Osmar Osten. Begleitbuch. Zu den Ausstellungen: Städtisches Museum Zwickau, Kunstsammlung Gera, Lindenau-Museum Altenburg, Heck-Art-Galerie Chemnitz. Leipzig 2000. S. 10.

[2] Milde, Brigitta: Interview mit Osmar Osten. Veröff. in: Osmar Osten. Frauen. Brücken. Fenster. Ausst.-Kat. der Kunstsammlungen Chemnitz. Hrsg. von Ingrid Mössinger / Brigitta Milde. Bielefeld, Leipzig, Berlin 2010. S. 54-55.

[3] Osmar Osten 2000. Wie Anm. 1. S. 33.

 

Literatur

Osmar Osten. Begleitbuch. Zu den Ausstellungen: Städtisches Museum Zwickau, Kunstsammlung Gera, Lindenau-Museum Altenburg, Heck-Art-Galerie Chemnitz. Leipzig 2000.

Osmar Osten. Frauen. Brücken. Fenster. Ausst.-Kat. der Kunstsammlungen Chemnitz. Hrsg. von Ingrid Mössinger / Brigitta Milde. Bielefeld, Leipzig, Berlin 2010.

Zitierempfehlung: Diana Kopka: Bilddossier zu "Muskau" (1988) von Osmar Osten, August 2012. In: Kunst in der DDR, URL: <http://www.bildatlas-ddr-kunst.de/knowledge/1145>

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)