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Dorit Litt

Erwin Hahs, Streit um Christi Rock (1956)

Abbildung in der Datenbank nicht vorhanden

Erwin Hahs (1887-1970)

Streit um Christi Rock, 1956

Öl auf Leinwand, 110 x 90 cm

Privatbesitz

Erwin Hahs, der von 1919 bis 1933 und von 1946 bis 1952 an der Kunstschule Burg Giebichenstein in Halle eine Malklasse geleitet hatte, zog sich 1956 nach heftigen Formalismusvorwürfen desillusioniert nach Zernsdorf, in die Nähe seiner Geburtsstadt Berlin, zurück. Kurz zuvor hatte er das Bild Streit um Christi Rock beendet und im September 1956 erstmals auf der Ausstellung „Christliche Kunst“ im Kulissenhaus Weimar anlässlich des 8. Parteitages der CDU öffentlich gezeigt. Schon damals hob ein Rezensent der Ausstellung das Bild als Beispiel ehrlichen Ringens um das christliche Thema im aktuellen Kunstschaffen der DDR hervor. Aufgrund seiner hohen Symbolkraft gehört es noch heute zu den Hauptwerken der halleschen Nachkriegsmoderne.

Hahs, der christlich-soziale Ideale vertrat, begann 1954 am Bild zu arbeiten, wobei er sich dem Passionsthema als aktuelle Reflexionsebene annahm. Das Motiv der um den Rock Christi streitenden Kriegsknechte diente ihm gleichnishaft für die nach seiner Zwangsemeritierung 1952 an der Burg Giebichenstein Verbliebenen, für die selbsternannten „Nachlassverwalter“ einer geschichtsträchtigen Institution, die Erwin Hahs wesentlich mitgeprägt hatte. So streiten sich die Kriegsknechte unter den stigmatisierten Füßen um die letzten Habseligkeiten Christi, der – nach Hahs’ freier Interpretation – stellvertretend für den „Geist der Burg“ geopfert wurde. Die Expressivität der dämonisch verzerrten Gesichter verweist auf eine intensive Auseinandersetzung mit den unheimlichen Bildfindungen Karl Hofers, den Hahs als „Hofmaler des Teufels“ bezeichnet und als den „Goya unserer Zeit“ und „Kafka in der Malerei“ bewundert hat.

Bereits vor der Weimarer Ausstellung 1956 trat Hahs mit christlichen Motiven an die Öffentlichkeit. Die seit 1937 entstandenen Holzschnitte zur Passion Christi wurden 1952 erstmals in der Theologischen Fakultät von Halle anlässlich der 400-Jahrfeier der Martin-Luther-Universität präsentiert. Zwei Jahre später waren sie nochmals in der Themenausstellung „Christliche Kunst“ der Galerie Henning neben Arbeiten u.a. von Barlach, Dix, Kleinschmidt und Pechstein vertreten. Wie viele figürlich-expressiv arbeitende Künstler nutzte auch Erwin Hahs christliche Motive für sozial-ethische Bildaussagen, um Leid und Verfolgung bis zum kriegerischen Wahnsinn unter diktatorischen Verhältnissen sinnfällig darzustellen. Obwohl er von der Grundidee des Kommunismus als Folge des „echten Christentums“ überzeugt war, lehnte er die neuen diktatorischen Verhältnisse im östlichen Teil Deutschlands unter der Führung der SED grundsätzlich ab.

Zitierempfehlung: Dorit Litt: Bilddossiers zu "Streit um Christi Rock" (1956) von Erwin Hahs, Oktober 2012. In: Kunst in der DDR, URL: <http://www.bildatlas-ddr-kunst.de/knowledge/1118>

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)